Ideacamp 2009: Neun Thesen zur Zukunft des eTourismus
22. Juli 2009 von Uwe
Vom 13. bis 16. Mai fand auf Teneriffa das von Thomas Cook und Tourismuszukunft initiierte Ideacamp statt. 16 Experten (Daniel Amersdorffer, Florian Bauhuber, Thomas Fleck, Michael Grillhösl, Christian Kolb, Jochen Krisch, Reinhard Lanner, Jens Oellrich, Oliver Puhe, Dr. Oliver Rengelshausen, Jörg Schlottke, Daniel R. Schmeisser, Roy Uhlmann, Matthias Weckermann, Manuel Weinhold und ich) haben versucht, die Zukunft des eTourismus in neun Thesen zu formulieren. Die Ausarbeitung im Nachgang war zeitintensiver als erwartet, um so mehr freue ich mich, dass das Thesenpapier nun fertig und online ist.
Ich habe zu jeder der neun Thesen einen Ausschnitt aus der Erklärung herauskopiert:
1. Touristische Intermediäre werden sich nachhaltig verändern.
Durch die wachsende Bedeutung des Social Web erhalten touristische Leistungsträger zunehmend direkten Zugang zu den Nachfragern. Konsumenten haben auf den Web2.0 Plattformen die Möglichkeit aktiv Informationen nachzufragen und ihren Informationsbedarf abzubilden. Dies bedingt eine Veränderung der Aufgaben
von Intermediären im Tourismus.
2. Kooperative Systeme und Netzwerke gewinnen an Bedeutung
Domaingrenzen werden zu Gunsten von vernetzten Information verschwimmen, das Vertrauen in Informationen damit letztlich auch gestärkt. Wird der Bogen zurück zu Social Web Komponenten geschlagen, so kann dies nur bedeuten, dass die Sozialisierung der Nutzer sich auch auf die Angebote übertragen wird. Kooperative Systeme und Netzwerke sind kollaborativ und nicht kompetitiv.
3. Von der Webseite zur Webpräsenz
Klassische Gatekeeper (z.B. GDS) und deren Geschäftsmodelle für Datendistribution werden an Bedeutung verlieren. Verantwortlich hierfür sind offene Standards, sowie die Demokratisierung der Reiseinformation.
4. Touristische Marken sind nicht mehr allein top-down steuerbar
Nutzergenerierte Inhalte und Bewertungen beeinflussen zunehmend das Vertrauen der Verbraucher in etablierte touristische Marken. Kunden konstruieren auf Basis von Kundenbewertungen und Gesprächen im Social Web Markenimage und Imaginationen von touristischen Produkten zunehmend selbst, gleichzeitig schwindet der Einfluss gezielter „top-down“ gesteuerter Markenführung.
5. Digitale (touristische) Informationen werden durch intelligente Endgeräte allgegenwärtig und intuitiv verfügbar
Touristen werden zukünftig touristische Informationen nicht nur vor und nach der Reise sondern vermehrt auch während der Reise konsumieren. Aber nicht nur die aktive Suche sondern auch das passive Finden touristischer Informationen wird sich verändern. Neue Arten des Erwerbs und der Nutzung von Informationen werden entstehen, die neue touristische Praktiken hervorbringen werden – Touristen werden in Zukunft dank mobiler digitaler Daten
anders reisen!
6. Vom GUI zum NUI – Bedürfnisorientierte User Interfaces
Konvergente Angebote erlauben in Zukunft eine geräteunabhängige Versorgung mit touristisch relevanten Informationen, die nicht aktiv gesucht, sondern bedürfnisorientiert angeboten werden. Die Orte der Information
werden zunehmend personalisiert (z.B. via Mobile-Apps). Semantische Technologie und bekannte Userprofile (z.B. über Facebook) ermöglichen eine gezielte Auswahl an Reisen und die Darstellung passgenauer Angebote, die den
Wünschen des Kunden mit hoher Wahrscheinlichkeit entsprechen.
7. Vom aktiven Suchen zum assoziierten Finden
Internetbrowser werden intelligent werden und das Verhalten seines Benutzers erlernen. Entsprechend dessen Präferenzen und Verhaltensweisen werden Informationen aggregiert und zusammengestellt. Nur so behält der
User einen Überblick über die eigentlich unüberschaubaren Menge an Daten. Die „Intelligenz“ des Zugangs speist sich aus zwei Quellen: technologischer Fortschritt wie zum Beispiel semantische Technologien (technologische Filter) sowie Filter und Vorauswahlen durch das Freundesnetzwerk (Soziale Filter).
8. Datenstrategien sind die Grundlage für den Online-Tourismus
Die Bereitstellung von Daten (Produkt- und Angebotsdaten) gewinnt entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette immer stärker an Bedeutung und entscheidet zukünftig über eine erfolgreiche Teilnahme am digitalen Marktgeschehen. Jeder Marktteilnehmer muss eine eigene Strategie entwickeln mit welchen Daten er in welchen Systemen bzw. bei welchen Vermittlern oder Marktplätzen er mit seinem Angebot vertreten sein möchte. Darüber hinaus müssen die Markteilnehmer in der Lage sein sich mit Blick auf die Bereitstellung der Daten flexibel
an die sich kontinuierlich verändernden Märkte anzupassen.
9. Das Social Web verändert die Tourismuswirklichkeit
Im Tourismusbereich führt das Social Web dazu, dass Konsumenten miteinander über touristische Leistungen sprechen und ihre eigenen Eindrücke zu touristischen Leistungsträgern im Internet veröffentlichen. Die nutzergenerierten Informationen zu touristischen Angeboten im Social Web machen das Angebot, d.h. die Qualität der touristischen Leistung (z.B. Hotel) transparent.
Soweit die Kurzform, hier findet ihr das komplette Ideacamp 2009 Thesenpapier als pdf zum Download.